|
Die Europa-Union Tirol (EUT) ist am 15. Mai
1977 in Bozen von 26 Süd- und Nordtirolern gegründet worden. Das
Referat anlässlich der Gründungsversammlung hielt der damalige Senator Dr. Peter Brugger über das Thema: „Die
europäische Einigung: heutiger Stand und Zukunftsaussichten“.
Mit der Gründung einer Gesamttiroler Bewegung wurde damals absolutes Neuland betreten, da es bis dahin noch
keine Gesamttiroler Vereine gegeben hat. Leider sind diesem Beispiel
bisher nur wenige andere Vereinigungen gefolgt.
Die Zielsetzung ist im Art. 2 des Vereinsstatutes wie folgt
festgehalten:
„Die Vereinigung, die überparteilich ist und
nicht auf Gewinn ausgerichtet ist, hat den Zweck, den
Zusammenschluss Europas auf föderalistischer Grundlage, unter
Anwendung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker und Volksgruppen
und der Garantie der unveräußerlichen Menschenrechte anzustreben,
und dafür einzutreten, dass das vereinte Europa die sprachliche,
kulturelle und geschichtlich gewachsene Eigenart der europäischen
Völker und Minderheiten voll respektiert.
Die Vereinigung sieht insbesondere im
ethnischen Föderalismus ein geeignetes Modell für die Erhaltung
der kulturellen Vielfalt, die Aufhebung selbstbestimmungswidriger
Abhängigkeiten und die Stabilität in Europa.“
Die EUT hat in der Vergangenheit versucht,
dieser Zielsetzung in verschiedener Weise nachzukommen. Dazu gehörten:
►
Die grundsätzlich zweimonatliche
Herausgabe von Rundschreiben. Zu den etwa tausend Empfängern gehörten
außer den Mitgliedern Politiker, Wirtschaftstreibende,
Kommunikatoren und politisch tätige bzw. interessierte Personen.
Themen waren Anliegen des integralen und des europäischen Föderalismus,
des Regionalismus, der Selbstbestimmung, der Tiroler Landeseinheit
(auch in politischer Hinsicht), der Minderheiten und der
Menschenrechte im Allgemeinen.
► Ein weiterer Schwerpunkt der Tätigkeit
war die Herausgabe folgender Broschüren:
Tirol
und Europa (1979): Von den Beiträgen in dieser Broschüre
sei insbesondere auf den Aufsatz des Univ.-Prof. Dr. Fried
Esterbauer über die Notwendigkeit und Möglichkeit eines Beitrittes
Österreichs zur EG verwiesen. Damals war hiermit die EUT einsame
Ruferin in der Wüste gegen die offizielle Politik Österreichs.
Sehr bemerkenswert in diesem Büchlein und von bleibender Aktualität
sind die Regionalistischen Leitsätze, mit denen für das Eintreten
für Regionalismus und Föderalismus die theoretischen Grundlagen
geliefert werden. Ein gewisses Aufsehen hat der Aufsatz
„Eine europäische Lösung für Südtirol“ geweckt, weil
darin im Rahmen der europäischen Selbstbestimmungslösung für die
Wiedervereinigung unseres Landes ein konkreter Weg aufgezeigt wurde,
der für Neubozen und Leifers einen Sonderstatus vorsah, um das
wiedervereinigte Tirol nicht mit einem dauernden aggressiven
italienischen Minderheitenproblem zu belasten.
Süd-Tirol
Weg in die Zukunft aus dem Jahre 1985. Darin wurden Überlegungen
über die Zukunft unseres Landes angestellt und begründet, warum
wir auch für unser Tirol die politische Eigenständigkeit
beanspruchen. Von besonderer Bedeutung sind die Beiträge des
Staatsphilosophen Leopold Kohr („Einigung durch Teilung“), des
Volksgruppenexperten Guy Hèraud („Das Schicksal der
fremdbestimmten Volksgruppen“) sowie des Prof. Felix Ermacora
(„Verfassungsmodell für einen europäischen Freistaat Süd-Tirol“).
Das
Selbstbestimmungsrecht des Volkes Südtirols aufgrund des Völkerrechts:
Hier handelte es sich 1987 um eine Studie des bekannten
UNO-Völkerrechtsexperten Héctor Gros Espiell, der untersucht hat,
ob auch dem Südtiroler Volk das Selbstbestimmungsrecht auf Grund
der Menschenrechtspakte zustünde. Er
kommt eindeutig zum Schluss, dass auch die Tiroler/Südtiroler selbstbestimmungsberechtigt
sind, was bekanntlich bis dahin von einem Teil unserer Politiker in
Abrede gestellt wurde. Die Studie ist in der Folge von anderen
wissenschaftlichen Publikationen berücksichtigt und zitiert worden.
Die Studie liegt in deutscher, englischer, spanischer und
italienischer Sprache vor.
Tirol
im Vergleich: Die
1995 von Professor Werner Pfeifenberger ausgearbeitete Studie
untersucht und vergleicht die gesellschaftliche, kulturelle,
wirtschaftliche und soziale Wirklichkeit in Süd- und Nordtirol.
Damit wird das Ziel verfolgt, die Tiroler Landsleute südlich und nördlich
des Brenners über die Lebensverhältnisse zu informieren; denn nur
wenn man mehr von einander weiß, kommt man sich auch wieder
menschlich näher.
► Weitere Tätigkeiten der EUT: Vorträge
im Rahmen der
Hauptversammlungen, Vorträge des Obmannes im Inland und im Ausland,
Teilnahme an internationalen Tagungen (Straßburg, Baskenland,
Eisenkappel, Linz, Kopenhagen usw.), Presseaussendungen. Zahlreiche
Universitätsstudenten wandten sich an die EUT um Unterlagen und
Anregungen, wenn sie ihre Diplomarbeiten über ethnische oder
regionalistische Themen schrieben.
|